Beata, die Gedemütigte

Der dritte Pfeiler der polnischen, heiligen Gewaltendreifaltigkeit ist die Premierministerin Beata Szydło. Sie wurde für die neue Rolle der zukünftigen Regierungschefin von der PiS-Partei ausgesucht. Vor ihr regierte in Polen Ewa Kopacz, eben auch eine Frau. Nur eine Frau konnte ihr die Stirn bieten. Deswegen musste Szydło ran. Und sie war auch politisch blass genug, um den Jarosław Kaczyński im Hintergrund nicht zu stark zu werden. Denn der Vorsitzende duldet keinen anderen neben ihm. Wie eine Blume wuchs Beata Szydło im Wahlkampf über sich hinaus. Sie war für jeden da, hatte stets ein offenes Ohr, lächelte die guten an und strafte mit ihrem Blick die bösen. Die guten von den bösen zu trennen, brachte ihr die Partei PiS bei. Wie im Chor sang sie die PiS-Lieder brav mit, schonte ihre Stimme nicht und wurde zu Solistin erkoren. Dabei erwies sie ein ausgesprochenes Schauspielertalent. Das wurde ihr zum Verhängnis. Denn ohne es zu merken, spielte sie auf einmal in der Filmproduktion der PiS-Partei von Jarosław Kaczyński: “Beata, die Gedemütigte”. Eine unglaubliche Produktion, ein Nationalepos in drei Folgen:

Folge 1: “Beata, die Gedemütigte – im Urlaub”

Kaum war die angehende Premierministerin, müde von dem Wahlzirkus, in den wohl verdienten Kurzurlaub eingetaucht, gedemütigte sie Jarosław Kaczyński, der PiS-Vorsitzende, zum ersten Mal. Denn am zweiten Tag ihres Urlaubs stellte er das Kabinett der zukünftigen Premierministerin vor.  Sie war sichtlich verwundert, zuckte aber mit den Armen und machte eine erstaunte Miene zum bösen Spiel.

Der Streifen war ein Riesenerfolg. Ein Kassenschlager. Und so wurde der zweite Teil gedreht

 

Folge 2: “Beata, die Gedemütigte – beim Jackpot”

Kaum waren nach den Wahlen die ersten Hochrechnungen bekannt und alle Kameras auf die nun sicher gewählte neue Regierungschefin Beata Szydło gerichtet, stand sie vor dem Mikro und holte tief Luft ein, um sich bei den Wählern zu bedanken, gedemütigte sie Jarosław Kaczyński zum zweiten Mal. Denn die Luft, die sie tief einholte, konnte sie nur über die roten Ohren rauslassen. Der bis dahin im Untergrund lebende und im Wahlkampf unsichtbare Kaczyński sprang vor ihr ans Mikro und ergriff das Wort. Die vorbereitete Rede, im Jambus, musste sie diesmal nicht sichtlich verwundert, sondern im Herzen verwundet, entsorgen.

Auch diese Folge war ein Erfolg. Die Massen strömten in die Kinos. Es gab Fans, die sich die zweite Folge 26 Mal angeguckt haben. So musste die Folge 3 her!

 

Folge 3: “Beata, die Gedemütigte – der ungarische Patient”

Kaum waren die ersten Tiefschläge ihrer Kariere überwunden, da gedemütigte Jarosław Kaczyński Beata Szydło zum dritten Mal. Diesmal traf er sich mit seinem ungarischen Kompanen, einen gewissen Orban, zum konspirativen und konstruktiven Essen in einem weit von Warschau entfernten Lokal “Zum Grünen Schäfchen” (Zielona Owieczka) ((Zufall?)). Aus den Antworten auf die Fragen der Verwunderten über den Alleingang des PiS-Vorsitzenden musste sie erfahren, dass es in der Regierung eine Rollentrennung gibt und sie nur die Verwaltung macht, also zurück an den Herd muss.
Auch das war ein richtiger Straßenfeger. Der Film wurde Millionenfach legal im Kino und auch illegal im Netz angeguckt. Nun warten alle gespannt auf die nächsten Folgen von “Beata, die Gedemütigte”.

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