Einfach den Priester fragen

Wer in den letzten Monaten nach Polen schaute und voller Unverständnis den Kopfschüttelte, dem kann jetzt endlich geholfen werden. Die goldene Regel, wie man die Polen verstehen kann, brachte vor kurzem die rechtskonservative PiS-Abgeordnete Krystyna Pawłowicz. Sie sagte wortwörtlich: Jemand, der kein Katholik ist, kann die polnische Gesellschaft nicht verstehen (Ktoś, kto nie jest katolikiem, nie może zrozumieć polskiego społeczeństwa). D.h. im Umkehrschluss, nur ein Katholik kann die polnische Gesellschaft verstehen.

 

Damit sind die Spezialisten schnell gefunden – die polnischen katholischen Priester. Nach Pawłowicz wissen sie am besten wie ein Pole tickt. So verwundert es wenig, dass die katholische Kirche in Polen nicht nur von der Kanzel den Leuten erklärt, was sie an der Urne wählen sollen, sondern auch über die polnischen katholischen Medien. Dazu gehören neben  den katholischen Zeitungen und Zeitschriften vor allem der Radiosender “Radio Maryja” und der TV-Sender “Telewizja Trwam”. Vor den Wahlen machte die politische Agitation für PiS (Recht und Gerechtigkeit) rund 95% des “Radio Maryja”-Programms aus. Beide Sender gehören zum Medienimperium des polnischen Redemptoristenpriester Vater Rydzyk.
Jetzt nach den Wahlen ist der Zahltag. Die polnische Regierung will nun Vater Rydzyks Geschäftsideen mit über 5 Millionen Euro bezuschussen. Über Umwege wird es auch klappen. Wie gesagt, nur ein Katholik wird es verstehen. Und so wundert sich niemand, dass die Bürgerinitiative “Religionsfreie Schule” von der Regierung abgeschmettert wurde. Die PiS braucht auch in der Zukunft die “Polenversteher” und die wachsen auch in den polnischen Schulen, in denen Religion mehr Zeit einnimmt als Mathe, Physik oder Sprachen. Amen

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