Hey! Du da!

Heute ist die zweite Macht der Dreifaltigkeit in der neuen polnischen Demokratie dran. Der polnische Präsident. Dieser hat in Polen eine erhebliche Macht und ist ein Teil der Gewaltenteilung. Der polnische Präsident heißt Andrzej Duda. Der Name klingt in den deutschen Ohren wahrscheinlich etwas komisch, denn der Spruch “Hey, du da!” ist nicht nett, ja gar etwas überheblich. Hätte bloß ein Germanist die Polen gewarnt. Nun ist aber zu spät. Im Wahlkampf gab er sich noch als der Andrzej “Dude” Duda. Er war wie ein Nachbar, den sich jeder wünscht. Einer, der gerne aushilft, der stets ein nettes Wort parat hat, der die Medikamente für einen Kranken besorgt, der alle Kinder der Nachbarschaft zum Kindergarten bringt und danach einen Kuchen backt, der ein fremdes Fahrrad repariert und es nicht mal sagt. Und neben seiner ganzen Menschlichkeit ist er noch ein Jurist. Wer heutzutage einen Juristen als Nachbar hat, kann ruhig schlafen. Ein Traum. Im Wahlkampf versprach er, neutral zu sein. Der erste unparteiische Präsident Polens. Der Präsident aller Polen, egal ob rechts oder links, mit oder ohne Kreuz. Ein Traum eben.

Doch nach der Wahl, die er nur knapp gegen den Altpräsidenten Bronisław Komorowski gewann, entpuppte sich der “Dude” als Wolf im Dudes-Pelz. Schlimmer noch, für einen echten Wolf hat es nicht mal gereicht, er entpuppte sich als der Schäferhund mit einer Fernbedingung. Seit dem unterschreibt er ferngesteuert unermüdlich neue Gesetze, die spät in der Nacht durchs polnische Parlament im Höchsttempo durchgejagt werden. Rastlos und ratlos. Die Gesetze liest er nicht mal, wie denn auch, nachts ist es ja dunkel. Doch wer im Dunkeln unterschreibt, wird früher oder später auch etwas gegen sich selbst unterschreiben. Im Kleingedruckten steht nämlich immer noch die Verfassung.

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