Polywood

Neuer Wind der Erneuerung soll auch durch die polnische Kultur wehen. Der neugekrönte Kulturminister heißt Piotr Gliński. Ein Professor der Soziologie. Bei der Eröffnungsfeier der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław2016 sagte er, er würde für eine ungezwungene Förderung der Kultur nach polnischen und christlich-europäischen Werten stehen. Dafür wurde er immerhin ausgebuht.

Bereits Wochen davor versprach er die polnische Nationalkultur zu fördern. Wie und was genau, hat er schon auch gesagt. Kurz nach seiner Ernennung protzte er mit der Idee, einen Nationalepos zu drehen. Einen imposanten Streifen nach einem Hollywood-Vorbild. Die heldenhafte polnische Geschichte und ihre heldenhafte polnische Nation soll im Vordergrund glänzen. Kein Oscar mehr für einen polnischen Film mit einem polnisch-jüdischen Hintergrund mehr. “Ida” darf nicht noch mal passieren. Nichts einfacher als das, dachte sich wohl der Kulturminister. Heldengeschichten in Polen gibt es wohl genug. Doch da könnte das Problem sein. Viele heldenhafte Motive wurden bereits verfilmt. Aufstände, Schlachten, Unabhängigkeitskriege. Ob da noch eine Heldentat übrig ist, scheint fraglich. Aber moment mal. Da gibt es noch einen Helden, der auf eine Verfilmung wartet – Jarosław Kaczyński. Ja das ist es. Jarosław Kaczyński gespielt von Jarosław Kaczyński. Sein schauspielerisches Talent bewies er bereits als kleiner Junge in einem Kinderfilm “Von zwei Jungs, die den Mond geklaut haben”. Ein Schauspieler ist er immer noch in einer einzigen Horrorshow auf der polnischen Politikbühne, im Parlament, auf der Straße in den Medien.

Vorschläge für die erste Staffel:

Teil 1 “Jarosław und seine sieben Zwerge”,

Teil 2 “Jarosław biegt rechts ab” und

Teil 3 “Jarosław, wie ich die Verfassung neuschrieb”

Dieser Beitrag wurde unter Blog „Die Polenverklärer“ veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.