Watsapp in der Kirche

Trotz heftiger Kritik der Internetaktivisten und Netznutzer boxte die rechtskonservative PiS-Regierung das neue Datenschutzgesetz durch. Eigentlich das Datenfreigabegesetz, denn ab Februar haben die Polizei und die Nachrichtendienste freie Bahn und können auch ohne richterlichen Beschluss und auf (Vor)Verdacht Daten aus dem Netz und der Kommunikation einsehen, speichern und auswerten. Es betrifft natürlich jeden. Nun kann jeder kleine Staatsbeamte mit Schnüfflerambitionen alles über den Staatsfeind Nummer 1 erfahren, ebenso alles über seine Nachbarin, die ihm kürzlich ins Auge fiel. Auch die sensiblen Berufe wie Ärzte, Juristen oder Journalisten sind davon betroffen. Damit sind auch ihre Patienten, Klienten und Informanten ebenso der neuen Datenlust ausgesetzt.

Es gibt allerdings in dem Gesetz eine Ausnahme: die Beichte in der Kirche. Diese darf nicht abgehört werden. Geschützt sind als einzige Berufsgruppe die katholischen Priester, die weder bei der Arbeit noch in der Freizeit (vorausgesetzt man hat Freizeit, wenn man für den Gott arbeitet) beobachtet und abgehört werden.

Was steckt dahinter? Seit Monaten wird gestritten, wie viele Polen noch in die Kirche gehen. Die Zahlen schwanken stark. Doch unabhängig von den Zahlen berichten Leute von immer weniger Polen in der Kirche. Vor allem die jungen Menschen meiden das Gotteshaus und den Gottesdienst. Es kann also sein, dass die Kirche so auf die Internetnutzer hofft, die nun in der Kirche einen nicht überwachten Raum suchen und ein nicht überwachtes Netz finden wollen. Highspeedinternetanschlüsse an den Beichstühlen sollen womöglich die polnische Kirche aus der Krise ziehen. Absurd? Ja vielleicht, aber auf jeden Fall absurd genug, um im jetzigen Polen wahr zu sein.

Wie dem auch sei. Die Kirche ist also der einzige geschützter Raum in Polen. Das gab es auch schon Mal. Unter den Kommunisten, in Zeiten der kommunistischen Einpartei-Diktatur. Kein gutes Zeichen für die polnische, parlamentarische Demokratie.

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